Macho

Innen Gorilla, außen Mensch

Oh nein, es sind beileibe nicht nur muskelprotzende Stiernackenträger, die sich in ihrer Männlichkeit derart aufplustern, dass sie vor lauter Kraft schier nicht mehr laufen können. Auch minimierte Ausgaben der Marke Macho kommen breitbeinig in der typischen Bauch-rein-Brust-raus-Pose daher, taxieren ihre Mitmenschen mit überheblichem Blick sogar aus einer lichten Höhe von 156 cm von oben herab und glauben, unter den Kleinen die Größten zu sein, obwohl sie oft bloß das Aller-Letzte sind.

Kategorien

Einfältige Sortenvielfalt

Diese interessante Rasse ist hierzulande in allerlei Arten anzutreffen, man unterscheidet folgende Güteklassen:

Der Sex-Macho, der in jedem fraulichen Wesen ein begattungswürdiges Weibchen sieht und gerne ungefragt zu potenz-iellen Taten schreitet. Wenn er will, hat sie auch zu wollen, basta!

Der Flirt-Macho hält sich für unwiderstehlich, zu viel Aufreiß-Aufwand jedoch für verlorene Liebesmüh. Wer nicht spontan auf plumpe Annäherung reagiert, ist sicher lesbisch.

Der Liebes-Macho, dem seine eigene Freiheit als männliches Sonderrecht so wichtig ist, der aber von einer Partnerin absolute Treue erwartet.

Der Familien-Macho mit Haushaltsmitarbeitsverweigerungstendenzen, bei dem schon der Sichtkontakt zu Reinigungsmittel fiese Pickel am Haaransatz verursacht und der deshalb jede Art von Schmutzbeseitigung oder andere niedrige Dienste vertrauensvoll in Damenhände legt, Kinderbetreuung eingeschlossen.

Der Berufs-Macho, für den alle höheren Posten reserviert sind und der die Frauenquote für eine Geschlechtskrankheit hält, gegen die man alle Betriebe pflichtimpfen sollte.

Der Verkehrs-Macho, dessen Vorliebe für röhrende Motoren, plärrende Boxen und rücksichtslosen Fahrstil keinen Zweifel daran lässt, dass er sich als Platzhirsch sieht und lautstark überall auf Vorfahrt beharrt.

Verhaltensstudien

Den dicken Maxe markieren

Ein typischer Wesenszug des gemeinen Machos ist sein aufdringliches Imponiergehabe, das nicht nur zu Balzzeiten ins Auge fällt und auf die Nerven geht. Dank seiner Holzhackermentalität führt er sich oft auf wie die Axt im Walde und ist überzeugt, dass gerade diese animalische Kraftstrotzerei ihm gehörig Sex-Appeal verleiht, sodass kein Frauenzimmer freiwillig auf ihn verzichten will. Doch mal ganz ehrlich: die (Damen-)Welt braucht den nicht wirklich, solange es Überschwemmungen, Waldbrände, Erdrutsche oder andere Naturkatastrophen gibt.

Vorkommen der Spezies

Feld-Wald-Wiesen-Streuner

Weil leider vielerorts nicht genug Wildnis vorhanden ist, in der sie ihre lebenslange Flegeljahreszeit verbringen und ungestört herumhalbstarken können, trifft man die Gattung der Männlichkeitsfreaks häufig auch in der Zivilisation an. Dort bevölkern die tierischen Schreihälse lautstark Fußballstadien, schwitzen hantelschwingend in Fitnessklubs oder erzählen sich an verrauchten Kneipenstammtischen schmutzige Frauenwitze. Mittlerweile sind Machos auch in sehr angepassten Ausführungen zu haben, mit Krawatten versehen stolzieren die Gockel durch ihre weibliche Angestelltenhühnerschar oder sie gehen als Bankergangster skrupellos auf Beutejagd und erlegen naive Anleger.

Artgerechte Haltung

Als Nutztiere leider nutzlos

Zwar sind Machos zur Erhaltung des Fortbestandes ziemlich gebräuchlich, weil allzeit bereit, werden jedoch als eingefleischte Freigänger nie so richtig handzahm und dressieren lassen sie sich schon mal gar nicht. Sogar das Apportieren der eigenen Stinkesocken zum Wäschekorb wird trotzig verweigert, Geschirrspüler einräumen geht wegen der vier linken Pfoten so oft schief, dass sie nach gravierenden Porzellan-Einbußen davon dauerhaft befreit sind, und ansonsten gilt: zu nichts zu gebrauchen, aber zu allem fähig. Solche Prachtexemplare sind natürlich recht pflegeintensiv, sie benötigen für ihr aufgeblähtes Ego viele Streicheleinheiten, eine bequeme Faulenzercouch und diverse Fernbedienungen zur völlig eigennützigen Verwendung.

Schadensbegrenzung

Risiken und Nebenwirkungen

Um den bestmöglichen Umgang mit dem übl(ich)en Macho zu gewährleisten, empfiehlt es sich dringend, Mütter und Schwestern intensiv zum Fall zu vernehmen. Nach dem Motto "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt" können manch unglückliche Umstände verhindert werden. Am besten hilft weibliche Hinterlist, denn die Waffen einer Frau sind dem Faustrecht haushoch überlegen.

Macho

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